Wider die Trennung von Lernen und Leisten
Im März fiel die Ausgabe aus, weil unser Newsletter-Schreiber etwas gestresst war. Wir entschuldigen uns dafür!
9. Mai in Berlin: Barcamp
Wie schon einmal angekündigt, findet am 9. Mai unser Barcamp in Berlin statt. Wir diskutieren mit euch die Frage: »Wieviele und welche Prüfungen braucht Lernen?«
📍 Ort: ESBZ – Evangelische Schule Berlin Zentrum
➡️ Infos: Ankündigung / Anmeldung
Wider die Trennung von Lernen und Leisten
In der aktuellen Ausgabe von Seminar hat Björn Nölte die Position des Instituts zur Trennung von Lernen und Leisten gleichzeitig begründet und verdichtet dargestellt. Unten ein kurzer Auszug, den ganzen Beitrag gibt es hier:
Das Institut für zeitgemäße Prüfungskultur denkt Prüfungen normativ von der Förderung von Lernprozessen her und konstatiert, dass in der gegenwärtigen Praxis meist das Gegenteil gelte: Lernprozesse dienten lediglich der Vorbereitung von Prüfungen. Die Argumente von Prozessorientierung, Selbstbewertung, Transparenz, Eigenaktivität, Selbstregulation, Nachhaltigkeit und individueller Lerndiagnostik zielen durchweg darauf, Bewertungsakte mit Lernakten zu verschränken: Lernende sollen ihre Arbeitsprozesse dokumentieren, Kriterien mitentwickeln, Peer-Feedback geben und erhalten, Zeiträume mitgestalten und in dialogischen Rückmeldungen ihre weitere Entwicklung planen. Gerade diese prozessbezogenen Elemente machen nach Auffassung des Instituts den eigentlichen Wert von Prüfungen aus. Im Vorwort des Sammelbandes Wege zu einer zeitgemäßen Prüfungskultur, der aus der Arbeit des Instituts hervorgegangen ist, wird diese Linie programmatisch zugespitzt: Dort heißt es, man könne junge Menschen „fördern, ohne sie miteinander zu vergleichen“, Lernprozesse „ganzheitlich sehen, ohne sie durch Prüfungen künstlich zu zerteilen“, und Lehrpersonen könnten mit Schüler:innen „Vertrauensverhältnisse aufbauen, in denen sie gemeinsam über Lernen und Leisten nachdenken, um ein ownership of learning zu erreichen“. Der gemeinsame Nenner all dieser Positionen ist eine konsequente Verschiebung des Fokus: Prüfungen werden nicht länger als externe Instanzen verstanden, die Lernprozesse von außen bewerten, sondern als innere Momente von Lernkulturen, in denen Leistungserfassung, Feedback und Weiterlernen untrennbar zusammengehören. Die Trennung von Lernen und Leisten erscheint aus dieser Perspektive nicht nur als didaktische Vereinfachung, sondern als zentrales Hindernis für eine Schule, die auf Selbstwirksamkeit, Vertrauen und nachhaltige Bildungsprozesse angelegt ist.
Ein KI-Roboter als Prüfer bei Abiturprüfungen?
Am Willms-Gymnasium in Delmenhorst wurde getestet, ob ein KI-Roboter Abiturprüfungen abnehmen könnte. Das zeigt der folgende Beitrag der Tagesschau:

Wir schliessen uns hier gern dem Kommentar von Jörg Eggers an, der seine Kritik an einem Zitat von Heinz von Förster aufgehängt hat: »Prüfungen prüfen die Prüfer, nicht die Geprüften.«
Viele klassische Prüfungen folgen bis heute demselben Muster: Die Lehrkraft oder das System weiß bereits, was als richtige Antwort gilt. Geprüft wird, ob Schülerinnen und Schüler gezeigt haben, dass sie über das hingehaltene Stöckchen springen können.
Genau darin liegt das eigentliche Problem. Nicht das Werkzeug ist zuerst fragwürdig, sondern die Beobachtungslogik, die dahintersteht. [Heinz] von Foerster hat Bildung scharf dafür kritisiert, dass aus nicht-trivialen, eigenständig denkenden Menschen allzu oft trivialisierte Antwortgeber gemacht werden. Tests messen in diesem Sinne häufig nicht Bildung, sondern Anpassung. Dann prüft KI nicht Verständnis, Urteilskraft oder originelles Denken, sondern vor allem, wie präzise Erwartungshorizonte erfüllt werden.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Kann KI prüfen? Sondern: Welche Form von Lernen wird durch KI sichtbar gemacht? Wird hingegen mit KI der Raum für eigenständige Fragen, unterschiedliche Lösungswege, Reflexion und nicht vorhersehbare Antworten größer, dann könnte sie tatsächlich zu einer anderen Lernkultur beitragen.
Wer gewinnt im Spiel des Lebens?
Bei Klett ist ein Bilderbuch von Gerda Raidt erschienen, das Kindern erklärt, wie Klassismus funktioniert. Wir finden: Das ist eine gelungene Art und Weise, um zu vermitteln, dass «Leistung» sich nicht für alle lohnt.
📚 Klassenbuch: Wer gewinnt das Spiel des Lebens? Klett, ab 8 Jahren.
